| Oh es riecht gut, oh es ist heiß... |
| Dresdner Wochenkurier |
| 07. Juli 2010 |
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WochenKurier erschnuppert in zwei Dresdner Bäckereien Weihnachtsdüfte und Stollenfakten trotz Hochsommer Stollenbacken und Weihnachtsfeste, wenn draußen 36 Grad Celsius herrschen? WochenKurier schnupperte in zwei Dresdner Bäckereien, ob das Ganze nur ein Werbegag oder schweißtreibende Realität ist. Dresden. "36 Grad, kein Ventilator... tönt die Band 2raumwohnung aus dem Autoradio. Ja, so geht´s mir auch! Mit "36 Grad, es wird noch heißer..." parke ich auf dem Firmengelände der Dr. Quendt KG ein. Na, dieser Song passtja zu meinem Tag! Immerhin habe ich mich in eine Großbäckerei eingeladen. "Wir haben drinnen auch 36 Grad, Tendenz steigend", empfängt mich Bäckermeister Heiko Nieß. Wusste ich es doch! Der 38-Jährige ist gut gelaunt - trotz der drückenden Hitze und einer Weckzeit, die vier Stunden vor meiner lag. Er führt mich in einen angenehm temperierten Verkaufsraum. Umringt von allerlei Back- und Confiserieprodukten, sonnengelb verpackt, fühle ich mich langsam wohler - bis der Grund meines Besuches hereingetragen wird: ein Stollen. Ein Stollen mitten im Sommer! Stollenproduktion "Der erste Stollen wurde am 23. Juni produziert", sagt Stefanie Ulke. Die Exportleiterin bei Quendt kennt die Zahlen: Im letzten Jahr verkaufte das 80-köpfige Unternehmen eine Million Stollen bundesweit. "Damit bis Weihnachten alle Händler beliefert werden können, sind derzeit schon 40 Mitarbeiter rund um die Uhr mit der Stollenproduktion beschäftigt." Täglich werden 3,6 Tonnen Mehl, drei Tonnen Rosinen und eine Tonne Butter miteinander vermengt, um daraus den weltbekannten und beliebten Dresdner Christstollen zu formen. "Das Original wird nach einem sehr alten Rezept hergestellt" - welches hier aber leider niemand verrät. Dennoch kann ich Meister Nieß entlocken, was einen perfekten Stollen ausmacht: "Beste Zutaten, die nicht einzeln hervor schmecken. Außerdem muss der Stollen eine gewisse Feuchte haben und darf nicht zu trocken sein. Damit dieses zutatenreiche Hefegebäck seinen Geschmack hundertprozentig entfaltet, sollte es nach dem Backen mindestens noch vier Wochen bei gleichbleibenden Temperaturen reifen". Verbraucher erkennen "den Echten" am Stollensiegel auf der Verpackung, welches in jedem Jahr von Dresdner Stollenschutzverband e.V. an die Bäcker vergeben wird, die im Sinne der Tradition den Stollen heute noch backen. Sommerweihnacht Auch in der Backstube der Dresdner Bäckerei Walther wurde bereits im Juni Stollen gebacken. "Doch nur an einem einzigen Tag", betont Matthias Walther. "Die dabei hergestellten 200 Kilogramm wurden zu unserer Sommerweihnacht verkostet und komplett verkauft." Sollte der Stollen nicht dem Winter vorbehalten bleiben? "Das sehen wir ganz genauso. Der Dresdner Christstollen ist ein Weihnachtsgebäck und deshalb beginnen wir mit der richtigen Stollenproduktion erst Mitte Oktober." Die Sommerweihnacht ist lediglich ein Werbegag des kleinen Familienunternehmens. "Wir wollen die Leute am 24. Juni auf lustige Weise daran erinnern, wie schnell die Zeit vergeht und dass in einem halben Jahr Weihnachten ist", erklärt Walthers Ehefrau Katrin. In Weihnachtskostümen läutete das Bäckerpaar in diesem Jahr bereits zum achten Mal die Mittsommernacht in ihrer Filiale im Hauptbahnhof ein. Dass auf dem Quendt-Werksgelände in Gittersee fünf Tage zuvor Ähnliches erstmalig stattfand, sei zwar ärgerlich gewesen, doch einen Stollenstreit (wie eine Tageszeitung behauptete) gäbe es deshalb nicht, sagt Matthias Walther. Ab 1. September beliefert Dr. Quendt den Einzelhandel mit Stollen. Hält sich denn ein Stollen so lange? "Rosinenstollen ist bis zu einem halben Jahr haltbar", versichert mir Bäcker Nieß. Er hat gleich Schichtschluss und kann zum Badesee fahren. Draußen sind immer noch 36 Grad, doch dieses Bäckerleben kommt mir gar nicht mehr so hart vor. (Cathrin Lilienblum) |






